Nepal 2026 - Rund um den Manaslu

Es ist ein verregneter Nachmittag in Pokhara, der zweitgrößten Stadt Nepals. Wir sind klimafeindlich 25 Minuten von Kathmandu geflogen, die Alternative ist eine achtstündige Busfahrt. Die Tickets haben wir ganz deutsch Monate im Voraus online gekauft, der Preis wäre heute vor Ort exakt der selbe gewesen. Meine Erfahrung der letzten Reisen hat es bewirkt, dass wir einfach zum Schalter gingen und auf den nächsten Flug gebucht wurden, statt am Airport weitere zwei Stunden wartend auf den eigentlichen Flug rumzuhängen. Reihe 1, rechte Seite. Leider heute Wolken und sehr regnerisch, kein 8000er zu sehen - Manaslu, Annapurna und vlt. sogar den Dhaulagiri hätten wir sehen können. Nächste Chance auf dem Rückflug in drei Wochen. Gepäck wiegt man auf Inlandsflügen immer in Gruppe, danke Mukunda für deine Tipps. Mein allererster Guide hat mir viel praktisches Nepalwissen vermittelt. So sind meine 23 kg - ich frage mich, was ich alles eingepackt habe - mit Sabrinas 18 kg verrechnet worden.
Christiane fragte mich gerade, warum ich so oft nach Nepal fliege? Ich kenne nun schon so viel, es kann nicht die Neugierde sein. Das Land ist bitterarm und (für mich) wunderschön, aber ich fühle mich hier sofort wohl. Dieses Jahr haben wir zum Einstieg Bhaktapur gewählt, die dritte Königsstadt im Kathmandutal (neben Kathmandu = Kantipur und Patan = Lalitpur, die Schöne). Die Stadt hat was Muesales. Aber sie abends ohne die Myriaden von Touristen zu genießen, das war es wert. Bei unserem Besuch waren übrigens keine Myriaden dort, was sehr angenehm war. Sabrina erreichte Nepal mit Turkish Airlines einen halben Tag vor mir, Air India brachte mich aber noch bei Tageslicht mit nur drei Stunden Verspätung nach Nepal. Die Einreise verlief super effizient, bereits 90 Minuten nach Touchdown bin ich im Hotel eingecheckt, in dieser Zeit habe ich eine lokale SIM-Karte gekauft und mich mit dem Taxi durch den Verkehr gequält. Die 35 minütige Taxifahrt kostete 1500 Rupien (8.50 Euro), die SIM-Karte 17 Euro für 28 Tage Telefon und Internet.
Als Unterkunft diente das reich dekorierte Hotel Heritage, ehemals das beste Haus der Stadt. Auch heute noch sehr gut, aber einige Boutique-Hotels schießen auch in Bhaktapur wie Pilze aus dem Boden, sodass ich nicht ausschließe, dass auch diese ihren Charme haben. Auch als Übernachtungsgast - die meisten Touristen kommen nur für einen Tag aus Kathmandu - zahlt man die 2000 Rupien Eintritt für das Stadtzentrum. Man kann allerdings auf dem Ticket vermerken lassen, dass man mehrere Tage vor Ort ist, der Preis ist eine flatrate.
Bhaktapur ist bekannt für seine Handwerkskunst, Frau Mann verfiel selbstverständlich ins Shoopingfieber und auch ich kaufte ein, wenn auch maßvoller. Bhaktapur ist kulinarisch für Royal Curd bekannt. Anderswo heißt es Joghurt, doch es gibt definitiv einen Unterschied und royal ist nicht übertrieben. Das indische Essen, der Joghurt, die an Kartoffelpuffer erinnernden Bara (aus Kichererbsenteig, stellt euch Falafal in flach vor), die mit Choila (mariniertem Wasserbüffelstückchen) serviert werden, waren die ersten kulinarischen Highlights.
Mit Frau Mann reist es sich ausgesprochen gut. Kommt man verspätet an, kein Problem. Die Frau weiß sich zu beschäftigen und kommt ja auch allein in Usbekistan klar. Ist es einem zu regnerisch in Pokhara, erkundet sie frohgemut Lakeside während ich im trockenen Hotelzimmer sitze und mich besinne, was ich aufschreibe. Jedes kulinarische Abenteuer nimmt sie nicht nur mit, sie provoziert es! Und so ist an den ersten Tagen gar nicht so viel passiert. Entspanntes Sightseeing, wir kannten Bhaktapur beide, die Wiederholung war wunderschön, viel Essen und Shopping. Nun sind wir in Pokhara und ab morgen strahlt die Sonne und wir haben noch drei Tage für uns, bevor der Gruppenreiseteil beginnt. Dieses Mal besteht die Gruppe nur aus vier Teilnehmern und erstmals bin ich nicht mit Hauser auf Trekkingstour in Nepal. Wie wird es werden? 

Pokhara war der entspanntestes Urlaub, den ich jemals verbrachte habe. Das lag eindeutig nicht an Fr. Mann. Am Ende lag es natürlich doch an ihr. Wir hatten keine Pläne, vieles kam anders und wir fanden das planlose Abhängen GROßARTIG.
Die Nepali merken den Iran-Krieg sehr. Es sind Touristen da, sie sind aber vornehmlich asiatisch. Damit kommen wir zum ersten Grund des süßen Lebens: das Cafe Camellia, direkt neben unserem Hotel. Gefühlt unter koreanischer Führung, auf jeden Fall hatten sie milk-cake mit Mango gefüllt, verstanden sich aber auch auf einen exzellenten Käsekuchen San Sebastian-Style. Getoppt wurde das ganze mit Heidelbeeren und Mango und Pistazien, die wussten, wie sie Touristen ansprechen. Das Café hatte eine beeindruckende Größe und machte dem Landmann Konkurrenz. Hätte das Landmann einen angeschlossenen Concept-Store und wären die Kellner nicht so grantlelig, stimmte das Bild.
So fielen wir dort also wirklich jeden Tag in dieses Café ein. Abends gab es verschiedene Essen, die alle durchschnittlich gut, keinesfalls schlecht waren aber nicht bleibend in Erinnerung blieben. Da waren vielleicht am ehesten die Mustang-Kartoffeln. Wir hatten vergessen zu sagen, dass wir die Gerichte europäisch gewürzt haben wollten. Machen wir es kurz: die Nase war so was von frei an diesem Abend. Am ersten Tag - das Wetter wurde täglich besser - liefen wir nur am See entlang und robbten uns von einem Lokal ins nächste. Dabei lernte ich die Singapur-Variant der Tom Ka Gai kennen, nennen wir das Gericht der Einfachheit halber Tmo Ka Gai. Shopping war ein wichtiger Punkt in Pokhara. Obwohl die Mitreisende dachte, sie hätte alle Dinge in Bhaktapur gekauft, war mir gleich klar, dass ich mit einem easy victim unterwegs bin, natürlich wurden weitere Anschaffungen getätigt. Ich bin jetzt stolzer Besitzer von sechs Tanka-Bildern. Drei kommen in die Wohnung, drei ins Büro.
Am zweiten Tag endlich Bewegung. Nach einer zauberhaften Fahrt mit dem Boot über den Phewa-See sind wir zur Friedenspagode aufgestiegen. Der Teil wurde schon im Programm der Annapurna-Reise 2011 beworben, allein war er zeitlich unschaffbar. In schwüler Hitze steigt man 45 Minuten auf und steht vor einer von Buddhisten gestifteten Pagode, die sich auch noch an anderen Stellen der Welt befinden soll. Seit ein paar Jahren befindet sich nochmal einige hundert Höhenmeter weiter auf einem benachbarten Bergrücken eine Shiva-Statue. So liefen wir auch noch dorthin. Es war warm, es war schwül, es war steil und ich fragte mich zwischendurch, warum wir uns das antun. Lohnenswert war es dennoch. Der Kontrast zwischen Buddhismus - göttliche Einkehr im Erhabenen - und Hinduismus - es geht zu wie auf dem Rummel - kann faszinierender nicht sein. Sechs Stunden später: Café (siehe oben) und Abendessen.

Tags drauf: Begnat-See. Pokhara ist die hippy-Stadt Nepals und 25 km vor den Toren der Stadt liegen zwei zauberhafte kleine Seen. Einer davon, der größere, ist ein Paradies für entspanntes Abhängen, das ja neudeutsch chillen heißt. War die Anreise ein Wagnis, niemand wollte uns dort oneway hinfahren und als wir doch jemanden nach Telefonaten in bad broken English fanden - danke an Fr. Mann, dass sie diese führte - stand nicht die Frage im Raum, wie man hinkommt, sondern wie man wieder wegkommt. Ich mache es kurz: das war gar kein Problem. Man fragt einfach an der Rezeption (in dem Falle von einem der unzähligen Cafés, die es am See gibt). Ich habe Corinna zitiert: "Die freuen sich, wenn sie etwas zu tun haben." War definitiv so. Die Stimmung dieses Ortes zu beschreiben, fällt mir schwer. Es war wirklich chillig. Die erste Bar, in die wir einfielen, hieß Hakuna Matata. Israelis in ihren Zwanzigern sind dort wohl das Stammpublikum. Nach einem iced latte - der Koffeinkennerin schmeckte dieser gar nicht - zogen wir weiter um bei Minzlimonade, Sabich und weiteren Köstlichkeiten einfach nur den Tag an uns vorbeiziehen zu lassen. Als wir ankamen badete ein Israelisches Paar mit seinen drei Kindern im See, Aussteiger beschreibt diese beiden wohl am besten. Bis dato kannte ich nur zwei vergleichbare Orte auf dieser Welt: Varkala in Südindien und Luang Prabang in Laos.

Der entspannte nächste Tag begann ziemlich früh, wir waren zum Sonnenaufgang auf einem Aussichtspunkt. Es gibt zwei Alternativen dafür in Pokhara, die mit vielen Touristen und die mit kaum Touristen. Wir entschieden uns natürlich für die Variante mit weniger Touristen und fragten am Abend vorher an der Rezeption einen Transport an. Fünf Uhr morgens setzten wir uns ins Taxi und kamen gut voran, bis wir eine Baustelle erreichten. Der Fahrer fuhr frohgemut hinein und es kam wie es kommen musste: wir fuhren uns fest und kamen nicht weiter. Im Morgengrauen sahen wir uns also ohne Sonnenaufgang zum Hotel zurückkehren. Doch dazu gab es gar keinen Anlass. Sofort kamen Nepali auf Mofas an und wiesen auf steiler und schmaler Straße den Fahrer ein und nach fünf Minuten waren wir nach einigen Stoßgebeten wieder frei, fuhren auf alternativer Strecke zum Aussichtspunkt und waren mt nur wenigen anderen (deutschen) Touristen zum Sonnenaufgang da. Ein schöner Blick auf den Fischschwanz (Machapucharre) und die Annapurna mit den Vorbergen in leichtem Morgendunst war Lohn für das frühe Aufstehen.

Pokhara hat uns entspannt und die Fahrt nach Benighat am Trishuli-Fluss absolvierten wir in ca. vier Stunden in einem komfortablen Bus. Plüschige Sitze, Klimaanlage, für jede Person eine Flasche Wasser. Der Ticketpreis war der gleiche wie bis Kathmandu und kurz vorm Ausstieg kam der Schaffner und meinte, unser Ziel kommt nun. Mitten im Nirgendwo vor ein paar Lebensmittelständen stiegen wir aus und ein netter junger Nepali holte uns mit einem Pick-up-Jeep ab. Wir wurden in ein kleines Eco-Ressort gefahren und waren die einzigen Gäste, vier junge Nepali betreuten uns. Erinnerungen an Marokko wurden wach, hier war die Betreuung aber nicht so vordringlich und besser (v)erträglich. Zum Abendessen bestellten wir uns ein vegetarisches Curry, entspannten einen weiteren Tag am Zusammenfluss von Bhudi Gandaki und Trishuli-Fluss. Nach so vielen Tagen Ruhe kam die Spannung auf die Gruppe. Diese besteht aus Sylvio - Mittfünfziger aus Dresden und Sarah - Kinderchirurgin aktuell in Glasgow lebend. Achyut (spricht Atschud, wie in Hatschi) ist unser Guide. Der versprochene deutschsprachige Guide ist er nicht, im Englischen kommen wir aber klar. Er hat aber schon Ahnung, man merkt es, dass er uns vor jedem steilen Aufstieg mit Süßigkeiten versorgt, an den richtgen Stellen Pausen einlegt und durchaus auch ein brauchbares Zeitmanagement hat. Nach den ersten Trekkingstunden kommt man sowieso in einen Rhythmus. Der erste wirkliche Trekking-Tag war lang und wir sind die letzten beiden Stunden durch ordentlich Regen gelaufen, die Zustiegsschuhe waren und sind auch am Tag danach noch durch und unbrauchbar.  ... Und auch nach weiteren zwei Tagen sind sie schön feucht. Mittlerweile sind wir auf 3.600 m angekommen und die ersten Ausfallerscheinungen sind zu verzeichnen. Sarah hat es heute Mittag erwischt, es verbietet sich einer Ärztin Tipps zu geben aber ich würde einen Sonnenschutz mit Blick auf die Höhensonne empfehlen und ihr und der mitreisenden Frau Mann unbedingt raten, auf Salat zu verzichten, keine Knoblauchsuppe zu essen oder ähnliche Experimente in den kommenden Tagen zu wagen. Gastrointestinal ging es aber trotz der Wagnisse gut. Gestern schaffte es ein Foto als Lebenszeichen in die Familiengruppe und meine Mama fragte besorgt, wie anstrengend das Trekking denn nun sei. Aktuell würde ich nicht sagen, dass es anstrengender ist als das letzte Trekking in Langtang. Uns war klar, dass es fordernd wird und dass wir sehr einfache Bedingungen vorfinden werden. Die erste Nacht in Machikhola hätte mich wohl überfordert, wenn ich nicht schonmal in Nepal gewesen wäre. Reudich ist ein nicht unpassendes Atrribut der ersten Unterkunft. Unser Zimmer, direkt neben einer Toilette von der es tatsächlich einige in der Unterkunft gab, die Bahnhofsatmosphäre verbreitete und (angeblich) das beste Haus am Platz darstellte, war durchaus einfach eingerichtet. Die Abtrennung zu den Nachbarzimmern und der Toilette erfolgte durch Wellblech, das weder Gerüche noch Geräusche fern hält. Aber auch das, kann man überleben. Die Zimmer der kommenden Tage hatten den gleichen Standard, verfügten aber über solides Mauerwerk oder Holzwände. Das ist schmückendes Beiwerk, sollte aber jedem klar sein, der die einfachen Trekkings in Nepal angeht. Landschaftlich beschreibe ich die Erlebnisse mit einem Satz, den ich heute zu Sabrina gesagt habe: "Nach Nepal ist man für jedes Trekking versaut." Hängebrücken, atemberaubende Schluchten, Rhododendronbäume in voller Blüte und alles ist einfach atemberaubender: die Berge sind höher, die Muliketten länger als anderswo, die Schluchten tiefer, die Hängebrücken höher. Es ist atemberaubend und eine reudige Unterkunft überlebt man. Die ersten Tag steigt man durch subtropische Landschaft auf und endet im Ort Jagat, der den eigentlichen Eingang zum Manaslu-Nationalpark darstellt. Die Abgelegenheit dieser Region hat den Vorteil, dass man Landschaften durchläuft, die man anderswo mit dem Jeep durchfährt oder mit dem Flugzeug überfliegt. Lange Tagesetappen kennzeichnen den unteren Teil des Manaslu-Treks. Viel Strecke bei moderatem Höhengewinn ist zurückzulegen. Viel Himalaya sieht man an den ersten Tagen noch nicht, dafür ist die subtropische Landschaft extrem abwechslungsreich. Jedes Flusstal in Nepal hätte man in Europa wohl längst schon zum Nationalpark erklärt. Nach drei Tagen sollte sich unser Programm ändern. Weniger Strecke, mehr Höhe, was genausolange Wandertage zur Folge hatte. Bei ausgezeichneter Verpflegung - man sucht morgens, mittags und abends aus einer reichhaltigen Karte aus - man kennt allerdings ab Tag drei auch die Gerichte. Und ab Tag sieben weiß man, dass gebratene Pasta in Makarroni-Form genauso schmeckt wie gebratene chinesische Nudeln - einzig die Anmutung ist unterschiedlich.
Das Highlight des Aufstiegs sind sicherlich die Tage rund um Samagaon gewesen. Dort ist der Manaslu mit seinem Doppelgipfel ganz nah zu sehen. Auf 3.500 m Höhe sieht das Programm Ruhetage vor. Ich nenne diese Tage potenziell ruhigere Tage, wenn man sich ans Programm halten würde. Wir haben immer Extraprogramm bekommen, vielleicht gelten wir als sportlich? Zumindest gehen wir später los als die meisten Gruppen und kommen eher am Ziel an. Der Trek ist zu unserer Zeit mächtig voll. Laut unserem Guide liegt es am Iran-Krieg. Wochenlang kamen kaum Touristen, nun auf einmal sind Nachholeffekte zu verzeichnen. Junge Israelis in Horden begleiten uns seit Tagen. Teils sind sie schwer zu ertragen. Sie haben (altersbedingt) wenig Erfahrung beim Trekking. Sie bleiben am Anstieg mitten auf dem Weg stehen, sie hören Musik aus Lautsprechern, während sie wandern und beschallen ihr Umfeld damit. Wir haben nahezu jeden Abend eine von vier dieser Gruppen mit in unserer Unterkunft, mal gehts besser, mal erträgt man es halt.
Die Akklimatisationstouren, die Achyut, der Guide  einplant, weichen vom Programm teils deutlich ab. Der optionale Aufstieg von einer Stunde wird am Ende 3,5-stündig, aus 100 zusätzlichen Höhenmetern werden kapp 400. Das soll alles der Akklimatisation dienen, deshalb laufe ich es schnaufend mit. Insgesamt bin ich zwei Tage vorm Pass über  mich selbst erstaunt, wie gut es geht. Es ist mein längstes und anstrengendstes Trekking bisher und auch die recht einfachen Bedingungen der Unterkünfte (v)ertrage ich besser, als ich gedacht hätte. Highlight des Aufstiegs war der Aufstieg zum kleinen, unbewohnten Kloster Pungen Gumba. Das Kloster selbst ist tatsächlich nur das Ziel, der Weg dorthin ist atemberaubend. Man läuft durch eine unbeschreibliche Landschaft auf den Manaslu zu, der tatsächlich gar nicht zwingend der Hauptakteur ist. Ein 270 Grad Rund, wie ich ihn noch nie in meinem Leben gesehen habe. Gletscher, Abbruchkanten, Lawinengrollen (in der Ferne). Auf dieser Tour haben wir die 4000 Meter Marke erstmals geknackt.
Ich bin nun das dritte Mal in hoher Höhe und muss sagen, dass es bis 4500 m ganz gut geht. Aber dann kommt doch der Hammer. Deshalb war die Übernachtung vor der Passüberschreitung auch wenig vergnüglich. Auf einer Hochalm mit neuen Wellblechhütten - null Isolation gegen Kälte, Niederschlag und Akkusitk der Nachbarn - und besch... Toiletten - wie auf dem Festival - wurde in Etappen in einem unbeheizten Gemeinschaftsraum zu Abend gegessen. Es könnte auch ein spätes Kaffeetrinken gewesen sein, wir waren in der ersten Gruppe. Danach ging es halb sieben in die Schlafsäcke, dem einzigen warmen Ort. Mäßige Kopfschmerzen gepaart mit leichter Kurzatmigkeit und vielleicht zwei Stunden Schlaf beschreiben die Nacht. Die fast sakrale Notwendigkeit des Vieltrinkens gepaart mit der Höhe lässt die Nieren arbeiten, nachts muss man also auch noch raus. Drei Uhr war die Nacht schließlich zu Ende, nach einem frugalen Frühstück - das Müsli nahm ich ohne Milch ein - begann der finale Austieg zum Larke-Pass. Er ist mit 5106 m knapp 300 m niedriger als der Thorong-La in der Annapurna-Runde, wird aber dennoch als schwieriger eingestuft, da man länger auf hoher Höhe unterwegs ist. Mit Stirnlampen begann ein Austieg, der mir nach den ersten zehn Schritten schon zu viel war. Es ging steil los. Sabrina, die hinter mir lief - wir hatten uns beide eine fette Erkältung eingefangen - jubilierte innerlich, ihr Reichsparteitag sollte noch kommen. Wir starteten im Schein der Stirnlampen, das hatte was. Mit einsetzenem Tageslicht wurde die Landschaft um uns sichtbarer, gibt es nur ein Atrribut, um diese zu beschreiben, ist es gewaltig. Der Weg wurde weniger steil, das kam mir zu Gute. Aber er zog sich wie Kaugummi. Ab 4.800 m läuft man im Schnee und obwohl wir die 3,5 Stunden für die 3 km lange Strecke, bei der es 500 Höhenmeter zu überwinden galt, voll "in time" schafften, waren die letzten Meter kraftraubend.
Die Ankunft am Pass ist schwer zu beschreiben. Zum einen ist man ergriffen von der Landschaft, zum anderen schnaut man einfach nur und versucht irgendwie Kräte zu sammeln. Denn nach dem Pass ist vor dem Abstieg, weitere 20 km und 1300 Höhenmeter liegen noch vor einem. Einige Menschen um uns waren super emotional, es flossen Tränen. Wir hatten auch alle vier unsere stillen Momente, dann wurden die obligatorischen Fotos geschossen und natürlich nahmen wir uns Zeit zum Schauen. Es galt dann die Grödel für den ersten Teil des steilen Abstiegs anzuziehen, der uns als anspruchsvoller beschrieben wurde, als er schließlich war. Mit Blick auf neue, diesmal tibetische Traumberge verließen wir den Gorko-Distrikt und liefen glücklich nach Manang ein. Die zehn Stunden Laufzeit vergingen insgesamt schnell und als wir Bimtang und die schönste Lodge des Trekkings erreichten, nahm wirklich jeder eine heiße Dusche.