Zwei Wochen sind eigentlich zu kurz für eine Südamerikareise. Der Aufwand von An- und Abreise ist hoch. Doch Iberia hatte gute Preise, irgendwann muss ich mal Urlaub machen und so bin ich zwei Wochen in Ecuador. Das erste Mal ganz allein in Südamerika. Was wird das werden? Wenigstens eine Erfahrung, höchstens großartig. Von Berlin geht es über Madrid nach Bogotá. Ich weiß, dass Bogotá die Hauptstadt Kolumbiens ist. Eine Nacht war ich schon mal dort. Erinnern kann ich mich nur an ein Abendessen bei einem Peruaner, bei dem ich zu spät kam und den ersten Rum der Reise trank. Dann schlief ich und am nächsten Morgen ging es Richtung Anden. Diesmal habe ich ein ganzes Wochenende Zeit. Früher flog ich nach Brüssel, jetzt ist es Bogotá. Graffitis, Goldmuseum und die Gondel auf den Hausberg Montserate stehen auf meiner Liste. Ich habe fünfmal umgebucht. Chapinero - Candelária (Neustadt - historisches Zentrum) - Hotel - AirBnB. Wenn schon, denn schon. Ein AirBnB im historischen Zentrum La Candelária erwartet mich. Vorher muss ich in Madrid in den nächsten Bomber steigen. Ich liebe Umstiege in Madrid. Ich fahre gern mit dem Zug zum Satelittenterminal, die Archtektur des Terminals 4 und seines Satelitten ist total schön. Ich mag das Durcheinander, die vielen Nationen aus Lateinamerika, die man mit ihren verschiedenen Akzenten hört, ich fliege tatsächlich auch gern mit Iberia. Da bin ich aber sowieso pflegeleicht. Ich kann mich an Kleinigkeiten während des Fluges erfreuen, ertrage Gepäckverlust und ggf. auch Verspätungen. Schließlich bin ich Bahnfahrer. Der rappelvolle Airbus hatte in Berlin gleich mal eine gute halbe Stunde Verspätung. Dank eines Cyberangriffs sind weite Teile der IT des Berliner Airports noch nicht nutzbar. Handgemalte Bordingpässe, doppelt vergebene Sitzplätze, all das dauerte. Wir werden dennoch mehr oder weniger pünktlich in Madrid landen. Fluglektüre ist die letzte Ausgabe der Revista de la prensa, eine Zeitung mit Originalartikeln aus Spanien und Lateinamerika. Das Schicksal von Arbeitsmigrantinnen aus Venezuela ist vermutlich nicht vergleichbar mit dem, was Polinnen in der Pflege in Deutschland erleben.
Warum eigentlich Bogotá? Die letzte Kolumbienreise hat hier gestartet. Es war am Ende die günstigste Kombination. Und ich fand, dass es ein guter, weil einfacher Einstieg in Südamerika sein könnte. Im Drittland ist die Einreise immer ein Nadelöhr. Das ging diesmal super schnell. Und wenn mein Rucksack am Kofferband erschienen wäre, hätte ich es vor Glück gar nicht ausgehalten. Es kam anders. Der vorbestellte Taxifahrer, der sich wohl auch freute, einen weiteren Auftrag nach meiner Fahrt annehmen zu können, drängelte per Whatsapp. Er durfte warten, ich stand mal wieder in der Schlage von der Gepäckermittelung. Typisch Lateinamerika bekam die arbeitende von drei Personen Assistenz von den Zuschauern, was nicht zur Beschleunigung der Vorgänge führte. Aber die junge Dame war nicht nur bilingual sondern auch wirklich fit. Mit den Worten, dass mein Gepäck morgen ankäme, verabschiedete sie mich freundlich. Kofferverlust und AirBnB ist irgendwie auch keine gute Kombination. Das werde ich mal abspeichern. Gott sei Dank wirbt Ale(gria) - eine wahre Freude - damit, dass das Hostel neben dem Apartment auch ihr gehört. Dort sollte das Gepäck hin. Sollte. Denn diesmal kommt es arg, ich weiß nicht mal, ob man meinen Rucksack gefunden hat. Vermutlich ist dieses IT-Chaos in Berlin schuld. Die hochnäsige Kraft, die meinte, ob ich nur mit einem und dann noch so leichten Gepäck fliegen würde und meinen Einwand, mit leichtem Gepäck reist es sich einfacher, stirnrunzelnd zur Kenntnis nahm, machte sich auch nicht die Mühe, ein Priority-Schildchen zwischen die Klebeflächen zu legen. Hätte am Ende wohl auch nichts geholfen. Gut, dass ich alle Oberteile ins Handgepäck getan habe, ich kann zu Bluejeans 3 Hemden und jede Menge T-Shirts kombinieren. Die Unterwäsche ist einmal gewaschen, die Wohnung ist extrem gut ausgestattet, Waschmaschine inklusive. Es galt und gilt, sich den Urlaub von den Umständen nicht versauen zu lassen. Ich fiel früh ins Bett und genauso früh war ich wieder wach. Das erste Frühstück bestand aus Flugkeksen, eine Zahnbürste war dank Amenity-Kit vorhanden, Kämme werden überbewertet. Mit allem Mut drehte ich eine frühe Tour durch das historische Zentrum Bogotás, La Candelaria genannt. Lateinamerikanische Städte haben es nicht so leicht,, das Herz eines Europäers zu gewinnen. Aber die Altstadt hat sowohl Flair und es tut ihr auch gut, dass es eine von Boutiquehotels und Künstlern durchzogene Umgebung ist, der die sozialen Probleme weitgehend fehlen. Bogotá liegt auf 2.600 m Höhe, die Altstadt ist am Hang gelegen, das merkte ich dann doch. Liegt aber auch daran, dass ich nach den Pyrenäen gar nichts mehr für die Fitness getan habe. Die Idee dieses Urlaub, allein, ist, mal wieder mehr Kultur einzubauen, mich zu erholen und nicht jede Herausforderung mitzunehmen. Da bis auf die Flüge von und nach Ecuador nichts gebucht ist, muss ich auch noch etwas organisieren. Das geht in Zeiten von AirBnB und booking,com denkbar einfach. Zurück zum ersten Stadtrundgang: Hauptplatz, der hier nicht Plaza de las Armas (Waffenplatz) sondern Plaza Bolivár heißt, Kathedrale, die nicht in der vordersten Liga mitspielt, Supermarkt und das Kreuz und Quer der Altstadtgasssen führten mich schließlich zum berühmten Goldmuseum, das schon außerhalb der Altstadt liegt und viel Lokalkolorit umzu hat. Ein Park davor, Marihuana-Gerüche, Ethnien vom ganzen Kontinent und kaum Europäer sind ein spannender Mix. Ich fühlte mich nirgends unwohl in den drei Tagen. Das Museum ist durchaus sehenswert, der Name auch treffend, auch wenn es die Geschichte der Metallverarbeitung über die Jahrtausende mit dem Schwerpunkt Gold vereint. Der Eintrittspreis ist lachhaft niedrig, die Art der Darsellung old school, man muss viel lesen oder einfach schauen. Am frühen Nachmittag fiel ich in ein Café ein und hatte Zeit inne zu halten, gut zu essen und zu verarbeiten. Die echt schöne Wohnung genoss ich bei einer späten Siesta in der Hängematte auf dem Balkon. Punkt halb 6 morgens wird es hier hell und genau 12 Stunden später dunkel. Die Zeitumstellung verhindert sowieso, dass ich die Nacht zum Tag mache aber die Straßen sind bis 10 durchaus noch so gefüllt, dass man ohne Angst raus kann.
Der zweite volle Tag begann mit einem guten Frühstück in einem fast zu hippen Café, dann ging es ins Botero-Museum, wo ich nach der Sicherheitskontrolle wild nach dem Ticketschalter suchte. Gab es nicht. Das Museum ist for free. Und die Art der Ausstellung interessant. Da hängt ein Miró neben einem Dalí und sowieso war die Ausstellung echt sehenswert und hochkarätig. Aber alles viel ungezwungener als im Prado oder Louvre. Das hat mir gefallen. Am Sonntag war auf den Straßen Richtung Neustadt die Hölle los, da ich ohne Rucksack unterwegs bin, war es dennoch entspannt. Ich entschied heute, die ersten Klamotten zuzukaufen. Für die nächsten 4 Tage am Pazifik brauche ich eine kurze Hose. Sagen wir es so: die südamerikanische Mode ist nicht zwingend meine Mode, aber mit Umsicht wurde ich in einem Nike-Store fündig. Ein Shirt gab es auch noch. Weitere Zukäufe wird es in Manta geben, denn direkt neben dem besten Haus am Platz liegt die größte Mall Ecuadors. Tommy Hilfiger wird wohl was hergeben, um die Sachen bis zum Ende des Urlaubs zu ergänzen. Caféstop, Gedanken aufschreiben, frühes Abendessen im netten Café von gestern, das heute aus allen Nähten platzte und leider Hunde erlaubt. Gestern störte mich der Labrador am Nebentisch nicht, auch mit der Promenadenmischung heute, die sich unter meinen Tisch legte und nicht zu den beiden ziemlich anstrengenden Damen mittleren Alters, die wechselweise Spanisch und Französisch sprachen, aufschloss, ging es zunächst ganz gut, bis das Vieh anfing zu bellen. Mein Unbehagen merkten die Damen und schon zog das Tier auf die andere Seite des Tisches um, wo eine spanisch-sprachige Familie durch mehr Tierliebe auffiel als ich. Die Preise hier sind super. Sieht man von der deftigen Anreise an, preislich betrachtet, sind Unterkunft und Verpflegung hier echt preiswert mit Blick auf vergleichbare Qualität in Europa.
Ein Uber brachte mich zum Flughafen. Ich stieg hinten ein, der Fahrer meinte, ob ich nicht nach vorn kommen wolle. Also setzte ich mich um und zügig und mit viel charla ging es auf die 20-minütige Fahrt. Der Verkehr war deshalb so ruhig, weil viele Familien aufgrund eines Feiertags die Woche außerhalb der Hauptstadt verbringen. Auf die Frage, warum ich mit Copa (also über Panamá) nach Ecuador fliege, bekam der Kolumbianer die ehrliche Antwort, weil es billig ist und ich Zeit habe. "Karamba", war seine Antwort. Ein Ausdruck, den ich erstmals hörte. Das Allerweltsauto in Kolumbien ist der Peugeot, Chevrolet war es zuvor. Und natürlich drehte sich das Gespräch ums Land selbst, wo ich schon war und unbedingt noch hinmüsse. Zweimal wurde ich übrigens im Gespräch für ein US-citizen gehalten. Das stellte ich sofort richtig. Schön war das Wochenende in Bogotá, jetzt verbringe ich den erholsamen Teil des Urlaubs am Pazifik in Ecuador. Manta heißt mein Ziel. Kreuzfahrthafen und Fischereiflottenstützpunkt. Viel mehr weiß ich nicht. Alle backpacker steigen südlicher in Montanitas oder Las Salinas ab. Das verwarf ich mit Blick aufs Klima. Der Humboldtstrom führt in dieser Jahreszeit zu viel Nebel.
Manta hat einen winzigen Flughafen.Genau eine internationale Verbindung existiert, die von Panamá. Und auch sonst sehen nur vier bis sechs Flieger täglich die Stadt.
Ganz hinten im Flieger sitzend war ich dankbar, dass wir das Flugzeug durch beide Türen verlassen konnten und als speedy Gonzales überholte ich so viele Südamerikaner wie möglich, um in der
Immigration-Line an Platz 6 zu sein. Wieder fiel mir auf, dass ausschließlich Beamtinnen sich um die Kontrolle der Pässe kümmerten. Da zwischen Migración und Kofferband zwei Stühle gepasst
hätten, gab es noch einen viel zu nett dreinschauenden Superviser, der darauf achtete, dass niemand abkürzte und irgendwann kam ein Mann noch in den 40ern und doch der Älteste der Kombo und
übernahm die Vorkontrolle der Pässe. Das gestaltete sich so, dass er wirklich die Echtheitsmerkmale mit Taschenlampe überprüfte. Die drei Menschen vor mir, hatten verschiedene, mehrere Pässe pro
Person, die anstandslos akzeptiert wurden. Ich wurde wieder für einen Amerikaner gehalten, musste zweimal erklären, dass ich wirklich allein reise und keine Freunde besuche und bekam schließlich
nach einem netten Gespräch mit der Grenzbeamtin den nächsten Stempel in den Pass. Zum Flug ist noch zu sagen, dass es ecuadorianische Touristen auf dem Heimflug von Panamá mit jeder türkischen
Großmutter aufnehmen können, was Gepäck im Flieger angeht. Und wieder waren beide Flüge mit Copa eiskalt. Da ich auf Grund des weiter ausstehenden Gepäcks nur eine Jacke besitze (Primaloft), tat
die genau, was sie machen sollte. Sie wärmte. Die Purserin Neykel H., erstmals las ich diesen Namen, fiel nicht nur durch Attraktivität auf. Sie war die mit Abstand am schnellsten sprechende
Person, die ich jemals getroffen habe. Und Spanier haben ja an sich ein hohes Grundtempo, das von einer südamerikanischen Gemütlichkeit etwas gedämpft wird. Hier war rapidez (Schnelligkeit) das
Einzige, was zählte. Aber die Ansage zu den Sicherheitshinweisen im Flieger kann ich sowieso dreisprachig mitsprechen.
Nach dem Zoll null Wartezeit, habe ja seit Tagen nur den Rucksack. Eine total befreiende Art zu reisen. Frau Mann und ich sollten über die Cuchumatanes mit Handgepäck
diskutieren. Vermutlich hat Antigua in Guatemala aber keine Mall del Pacifico, die sich genau gegenüber vom Hotel Oro Verde (Gold - Grün, Name erschließt sich mir nicht!) befindet, JEDES
Outletcenter in den USA in den Schatten stellt und zwei halbe Tage lang mein Aufenthaltsort war. Die Fluggesellschaften zahlen Kosmetik in unbegrenzter Höhe, wenn man nicht sämtliche Parfums
einkauft. Bei Klamotten wird lt. Recherche die Hälfte des Preise bezahlt. Da ich die Oberteile im Handgepäck hatte, beschränkte sich der Einkauf auf Socken, Bademode, Unterwäsche, Hosen und ein
paar neue Schuhe. Die gefallen mir so gut, dass ich spontan einen weiteren Sommerurlaub planen würde, es aus Vernunft aber sein lasse. Taubenblaue Stoffschuhe, die perfekt zu meinem taubenblauen
Anzug daheim passen und sich hier auch super machen. Einen weiteren Rucksack von Head besitze ich jetzt. Modell wie der Tarp, ein Raumwunder. Frau Mann, 3 Tarps für die kommende Nepalreise
besitzen "wir" nun. :-) Um die Geldwäsche einzudämmen, muss man bei jedem Einkauf seinen Pass vorzeigen und die Passnummer wird auf die Rechnung geschrieben. Am Anfang etwas verwirrend, habe ich
mich dran gewöhnt. Ich führe seit einiger Zeit einen Scan neines Passes mit. Das reicht, der Pragmatismus der Verkäufer kennt keine Grenzen. Und was passiert nun nach den Einkäufen: drei Tage
nichts. Ich erhole mich. Pool, Strandspaziergänge und Essen. Und die Recherche der weiteren Reise. Erstmals habe ich nur die ersten Stationen geplant. Das gibt natürlich schon Struktur vor. Wer
Garmisch auf einer Deutschlandreise plant, sieht vermutlich nicht die Ostsee. Ich lasse das tropische Tiefland weg und auch den äußersten Süden an der Grenze zu Peru. Am Freitag fliege ich mit
Avianca nach Quito um gleich weiter nach Otavalo zu fahren, wo samstags der größte indigene Markt des Kontinents stattfindet. Der Reiseführer hegt schon die Erwartungen ein. Dennoch, wenn da jede
deutsche Gruppenreise hinfährt, schaue ich mir das auch an. Dann folgen zwei Tage Quito. Deren Altstadt steht schon lang unter Welterbeschutz und ich bin bereit für Klöster, Jesuiten und die
ganze Kolonialgeschichte. Wenn ich nur die Hälfte des im Reiseführer aufgeführten Programms sehen will, muss ich mich sputen. Genug der Vorschau.
Und dann wurde es doch noch etwas stressig hier am Strand. Die ganz heiklen Reiseerlebnisse wurden bis dato nie schriftlich festgehalten, aus Rücksicht auf die
mitlesenden Mütter. Es ist Donnerstagabend und ich habe gerade in 90 Minuten "ein wenig" umplanen müssen. Meine Unterkunft in Otavalo bot mir Anfang der Woche recht viel Service an, verstummte
aber nach und nach und schrieb nur, dass die Streiks hinderlich seien. Nun hab ich mich informiert und spätestens bei den Straßensperren im Süden Otavalos und den Molotow-Cocktails, die auch
heute wieder in der Region flogen, nahm ich dann doch Abstand, Imbabura zu bereisen. Es galt einen Flug zu verlegen, den einzigen (ich schwöre es!), den ich nicht bei der Airline direkt gebucht
hatte. Ein mir wohlbekanntes online-Portal galt es also zu kontaktieren. Sabrina M. ich fasse zusammen: mein Gegenüber hieß Trushart, brauchte im Chat 10 Minuten und buchte mir den Flug,, wie
gewollt, um. Kosten 9 Euro-Cent. Wir müssen in Kathmandu nen schlechten Tag erwischt haben. *Ironie aus* Ging alles ohne Roaming. Bin zufrieden. Die zwei gewonnenen Tage verteile ich gleichmäßig
auf Quito und Cuenca, wobei die Hoffnung besteht, dass ich in Cuenca nun einen Ganztagesausflug in den Cajas-Nationalpark hinbekomme. Das wäre sonst nur mit einem Stopover auf der Fahrt nach
Guayaquil hinzubekommen gewesen und entspannt die Reise etwas. Apropos Guayaquil: Marten M., mein Rückflug ist operated by Privilige Style Airlines, was ich heute rausgefunden habe. Ich finde das
eher spannend als schlimm, aber mir ist klar, dass diese Sichtweise nicht jeder hätte. Doreen K., die Urlaube Anfang Oktober sind echt eine Herausforderung. Haben wir gerade noch über unser
shut-down-Erlebnis gelacht, kommt es schneller anders, als man denkt. Nun ja, man muss flexibel sein. Und nicht verschlafen, wie damals in San Francisco, wo ich dachte, es kommt schon nicht so
schlimm.
Diese Reiseumstellung hat durchaus ihre Herausforderungen. Ich werde nach Quito und Cuenca keine Aufnahmekapazität mehr haben für Geschichte und koloniale
Altstädte.
Was lehrt uns das?
Mancher Leser hätte mir soviel Gleichmut bestimmt nicht zugetraut. Das ist Charma.
In Quito habe ich mich schockverliebt. Sagt man das so? Selten bin ich bei schlechterem Wetter gelandet. Es ist herbstlich kalt und es nieselt. Doch die Menschen sind so ausgesprochen nett. Der Uberfahrer, der mir unbedingt seine Englischkenntnisse unter die Nase reiben wollte. Maria, die Inhaberin des Hostals, das eher unter Boutique-Hotel läuft, ist eine der nettesten Personen seit vielen Reisen. Alles unter 12 Zimmern ist ein Hostal in Ecuador. Ich habe Doreen, Marco und Stephan und Maren und Horst geschrieben, dass ich etwas vergleichbares zu Gary und Steves Riad in Marrakesch gefunden habe, wohlwissend, dass man hier deutlich beschwerlicher herkommt. Nach zehn Minuten abdampfen und die beiden Minirucksäcke abwerfen, ging es los in die Altstadt. Quito war die erste Altstadt in Lateinamerika, die zum Unesco-Welterbe wurde noch vor Cartagena. Beide spielen m.E. in der gleichen Liga,, auch wenn das Wetter in Cartagena anders ist. Kolonialstädte ziehen mich sofort in ihren Bann. Ich freue mich, dass ich mehr Zeit für Quito habe, als ich ursprünglich eingeplant habe. Zuerst ging es durch die Altstadtgassen aber richtig Sightseeing wollte ich noch nicht betreiben, am Folgetag habe ich mich einer Gruppe angeschlossen. Dennoch fiel ich in die erste Kirche rein, ließ mich beeindrucken von all dem barocken Prunk. Mein Ziel war heute ein Café, mir war danach. Ich fand auch eins, wenn ein Café mit 5 Sternen bei google bewertet ist, muss es was können. Konnte es. Ich nahm (leider) nur einen Eisbecher und eine Caféspezialität. Diese wurde in einer traditionellen Schale mit viel tamtam serviert. Ich war darauf vorbereitet, weil an den Nebentischen das Spektakel schon vorher abgezogen wurde. Es glockt, das Licht wird gedimmt und ein Kellner verkleidet sich als Nazareno (die Büßer in der Semana Santa in Andalusien mit den Capirotes) und serviert die Eisschale auf Trockeneis. Für 9€ ist das ein europäischer Preis und das Eis selbst war sicherlich nicht ganz in der Liga von Bologna, aber ein Spektakel war es doch. Man sieht das dem sehr gediegenen Caféhaus gar nicht an. Zum Dessert des Desserts war mir heute nach dem ersten Rum der Reise. Bis dato gab es nur ein Bier, aber so langsam muss mal Lateinamerika-Feeling aufkommen, richtiges. ;-) So bestellte ich einen lokalen Rum, wie ich es immer tue und die Kellnerin meinte, sie wolle nachsehen. Sie kam nach intensiver Suche zurück und vertröstete mich mit wirklich guten internationalen Rums, aber einen lokalen hatte sie nicht. Ich war nicht enttäuscht, denn die Rumkarte (bestehend aus 4 Rum) enthielt einen Diplomatico, einen meiner Lieblingsrums aus Venezuela (läuft in Europa unter Botucal). So nahm ich den. Erneut kam sie lächelnd auf mich zu, um mir mitzuteilen, dass der aus sei. Ich endete bei einem 23 Jahre alten Zacapa aus Guatemala. Irgendwann fliege ich nach Guatemala, einer der Reiseleiter in Argentinien oder Kolumbien hatte mir doch den Floh ins Ohr gesetzt, dass man sich in Guatemala eine Flasche Rum mit 2 Gläsern kauft und dann die Welt vergisst, vielleicht am Atitlan-See, vielleicht in Copan. Einer meiner Reiseträume. Jetzt geh ich schlafen, morgen geht's weiter mit viel Input, worauf ich mich freue.
Quito, Tag 2. Es kam am Ende ziemlich anders, als geplant. Morgens beim Frühstück meinte Maria, die Inhaberin des Hotels, es könne sein, dass es heute zu
Einschränkungen im historischen Zentrum käme. Hätte mir das in Indien jemand so gesagt, hätte ich mich schon auf alles vorbeitet. Neue Reiseerfahrung: auch die Südamerikaner sind gut im
Umschreiben. Der von den USA gestützte Präsident hat vor zwei Wochen die Dieselpreise erhöht. Ein Hoch auf die Bundespressekonferenz. In Deutschland wäre solche eine Entscheidnung zwar
ebensowenig populär. jedoch wird sie von den Verantwortlichen selbst erklärt, die sich den Fragen der Presse dann stellen, In Ecuador haben es die Leute quasi von Marietta Slomka im heute-journal
erfahren. Das erklärt die anhaltenden Prosteste seit gut zwei Wochen. Besonders betroffen sind die indigenen Bevölkerungsgruppen und die machen ihrem Unmut Luft. Wie schon geschrieben, ist die
Provinz Imbabura (nördlich von Quito) in einen unübersichtlich Zustand abgerutscht, bereisbar ist sie nicht, das Wort Bürgerkrieg ist vielleicht auch nicht ganz passend. Um ähnliche Proteste in
der Hauptstadt zu verhindern, wurden Hundertschaften von Polizisten und Militär herbeigeschafft. Die netteste von 7 mit Maschinenpistolen bewaffnete Soldatin befragte ich also morgens auf dem Weg
zum zentralen Platz an einer Straßensperre, ob man denn heute noch ins Zentrum komme. Nein! Das diskutierte ich nicht, drehte ab und widmete mich der neogotischen Kathedrale, der größten
Lateinamerikas, wo ich unbeabsichtigt in einen Gottesdienst platzte. Ich stelle ja immer wieder fest, dass die Predigten in Deutschland profaner und profener werden, die Kirche in Lateinamerika
geht einen anderen Weg. Unser alter Pfarrer im Harz war gegen die Predigt ein lauwarmer Waschgang. Nach der Besichtigung bestellte ich mir ein uber in die Neustadt. Der Fahrer war schweigsam, die
Fahrt nichtssagend. Der Parque Carolina ist quasi die grüne Lunge Quitos, Myriaden von Quiteños verbrachten dort den Sonntag. Ich schaute mir den Botanischen Garten an, der stand jetzt nicht auf
meiner A-Liste, war am Ende aber sehr sehenswert. Cotopaxi im Nebel schied genauso aus wie die Mitte der Welt, eine imaginäre Linie, auf der ungelenke Amerikaner Handstände machen. Nach einem
Besuch bei einem Italiener mit ausgezeichnetem Essen aber viel zu gehetztem Personal - der Hauptgang kam als ich gerade den ersten Bissen der Vorspeise aß. nach dem Hauptgang wurde ich binnen
drei Minuten von fünf verschiedenen Kellnern gefragt, was ich gern als Dessert hätte, sie geduldeten sich schließlich nach einer deutlich Ansage - beschloss ich, zurück ins Hotel zu fahren. Der
uber-Fahrer konnte was und war super redseelig. Für 4 € bekam ich eine gratis Spanisch-Stunde in Konveration. Juan, mein Spanischlehrer in Madrid hat schon recht: es ist viel günstiger, sich
nachmittags bei einem Bier pro Stunde in eine Bar zu setzen und mit dem Barmann zu reden, der froh ist, dass man es tut, weil sonst ja niemand da ist, als Konversationsstunden in der Schule zu
zahlen. Als wir im Stadtteil La Mariscal ankamen, einem sich sehr wandelnden Stadtteil, früher Partyhochburg, heute Drogenprobleme, kamen wir an einer Kreuzung nicht weiter. Unser Weg sollte nach
links führen, der war von Indigenen abgesperrt. Fuhren wir also rechts. Erstmals in meinem Reiseleben schoss es mir durch den Kopf: was für eine dumme Idee. Wir fuhren mitten in eine Demo, aber
eine richtige. Gas, Steine, Molotowcocktails und wir mittendrin, umdrehen keine Chance.
Und dann eine rote Ampel, an der der Uberfahrer und ich gemeinsam meinten, sie besser zu irgnorieren. Es war am Ende drei Straßenzüge Unwohlsein, aber nochmal brauche
ich das auch nicht. Den Tag beschloss ich in einem Café rund um die Kirche San Marcos. Ein interessantes, friedliebendes und doch alternatives Viertel. In einem veganen Café hatte ich sowohl
einen Cappuccino als auch einen Brownie, die beide mit Kardamom angereichert waren. Aber mich zog der Klavierspieler ins Café, der einfach so an diesem späten Nachmittag in die Tasten haute. Am
letzten Quito-Tag dann sicherlich das kunsthistorisch-kirchengeschichtliche Highlight des Besuchs. Das Kloster San Francisco. Da ging alles los mit der Besiedlung Quitos durch die spanischen
Eroberer und die quitenische Schule machte durch ganz Lateinamerika stilgebend ihren Siegeszug. Abschließend kann ich zu Quito sagen: ein bisschen wie Rom, viel mehr kann nicht kommen. Es wird
wohl kaum noch schönere Kolonialkirchen auf dieser Welt geben und das ist doch beruhigend zu wissen. Am Nachmittag ging es zum Flughafen und in einem gut halbstündigen Flug nach Cuenca,
drittgrößte Stadt Ecuadors und m.E. die touristischste, was bitte nicht schlecht verstanden werden soll.
Mein kleiner, neu erstandener Koffer aus Manta mit ganz wenig Klamotten drin ist immer der erste am Kofferband. Nach Europa zurück werde ich knallhart mit
Rucksack und Koffer (eigentlich auch ein Rucksack, eher Tarp) fliegen. So dauerte es nur Minuten am sehr übersichtlichen Flughafen, nicht der kleinste der Reise, das war Manta, und ich konnte mir
das erstbeste Taxi schnappen. Uber funktioniert in Cuenca nicht, obwohl ich uber und AirBnB nicht besonders mag, nutze ich beide eben doch, weil es einfach ist. Diesmal wieder eher auf der
kommunikativ schlechten Seite gewesen, der Taxifahrer sprach nur das Nötigste, immerhin war die Musik erträglich, sowohl von Inhalt als auch Lautstärke. Leo Dan erschallte, eine Kombination aus
Ernst Mosch und James Last in Argentinien geboren in Mexiko gestorben, deutliche Mariatchi-Einflüsse. Die Texte haben wenig Tiefgang, aber man versteht sie gut. Die Fahrt ging schnell, ich kam am
Hotel an, das aus sechs Zimmern besteht und von Franco, einem glatzköpfigen Italiener aus Mailand betrieben wird, der sich in eine Cuecana verliebt hat. Es heißt übrigens nicht, wie im spanischen
Cuenca conquense, sondern cuencano, eine Vergewaltigung für meine Ohren. ;-) Er spricht viel aber hat auch was zu sagen. Der check-in zog sich, aber es war nicht schlimm, denn Franco lobte mich
für mein Spanisch und nutzte die flaue Buchungslage für charla. Früher hat er bei einer Schuhfirma gearbeitet, jetzt serviert er Touristen Cappuccino. (Ich halte es für understatement.) Cuenca
versuche ich skizzenhaft zusammenzufassen. Es ist eine sichere Stadt, man kann ohne Bedenken auch nachts auf die Straße. Die Altstadt ist nicht museal, hier leben Menschen, ein Grund für die
Sicherheit, meint Franco. Infrastrukturell voll auf Touristen eingestellt und man merkt auch, dass hier viele Expats leben. Es gibt zauberhafte Cafés, hippe Boutique-Hotels (wie meines eines ist)
und die perfekte Infrastruktur, die wohltuend ist, die ich so aber auch überhaupt nicht erwartet habe und die mich anfangs eher irritiert hat. Alle Küchen dieser Welt sind hier vertreten, ich aß
belgisch, venezuelanisch, ecuadorianisch, japanisch. Köstliche französische Patisserie gibt es überall und auch gutes Eis ist vertreten. Wenn man keinen Rum auf der Rechnung hat, kommt man mit
20€ am Tag super hin und kann leben wie Gott in Frankreich.
Viel Art-Deco findet sich in den Straßenzügen, koloniale Bauten, Kirchen überall. Nach Quito hatte ich davon genug. Ich nutzte den Touristenbus, um die Stadt und den
Aussichtspunkt Turi zu sehen, war im anthropologischen Museum Pumapungo, besuchte den Markt mit seinen überbordenden Angeboten, lief am Fluss entlang, sah unwahrscheinlich viel Streetart und
hatte aber auch ungewöhnliche Stopps wie eine private Führung einer engagierten jungen Ecuadorianerin in der ältesten Kirche Cuencas. Und ich hab mir keinen Panamahut gekauft, die es hier
wie in Montecristi, einem Dorf direkt neben Manta, gäbe. Ich bin am Ende von Woche zwei meiner Reise mit mir allein einerseits gewöhnt, andererseits auch im positiven Sinne angestrengt und Cuenca
kam zur absolut rechten Zeit. Hier kann man sich treiben lassen, muss nicht dauernd jede Situation bewerten und trifft verrücktes Volk. Ich wollte es ja kurz machen, deshalb war es das, morgen
geht der Bus über den Cajas-Nationalpark in die Perle des Pazifiks: Guayaquil. Zäh wie Kakaomasse, unerträglich und schön, so die Beschreibung. Ich werde sehen.
Eine Reisethese: je geringer die Dichte an Armbanduhren, desto größer die Gefahr von Raubüberfällen in einer lateinamerikanischen Stadt. Hier trägst fast niemand eine
Uhr. Guayaquil, die größte Stadt Ecuadors liegt fast am Pazifik. Sie ist hässlich wie San José in Costa Rica, gefährlich wie einst Medellin in Kolumbien, schwül wie Havanna im August und doch hab
ich sie nicht nur als Sprungbrett für den Rückflug genutzt. Es ist keine Stadt für Lateinamerika-Anfänger und man verliebt sich wohl nur schwer in sie. Dennoch tut mir Guayaquil gut. Nach den
Tipps im Reiseführer sollte man das Hotel(zimmer) nur mit größter Achtsamkeit verlassen. Die Ankunft am Terminal Terrestre im Bus (bis zum Cajas Nationalpark saß noch ein kanadisches
Pärchen mit im Bus, to sporty and educated to be US :-), danach war ich der einzige Tourist) gab mir diesen Flush, den ich nur noch selten habe. Beim ersten Mal Kathmandu hatte ich den oder bei
der Landung in Südindien. Die vielen Eindrücke waren überwältigend. Die Busfahrt war landschaftlich im ersten Teil großartig, sie führte durch andine Landschaft. Cajas bedeutet Schachteln, ganz
ging mir die Bezeichnung nicht auf. Man sah die typische Paramo-Landschaft. Viele Lagunen mit Wasser, die Schopfrosettengewächse, Vicuñas (Verwandte der Lamas) und in den unteren Teilen auch Kühe
weiden. Nach guten 30 Minuten Fahrt erinnerte ich mich, warum ich bis dato auf den Flieger gesetzt hatte. Eine leichte Reiseübelkeit trat ein. Da außer einem Cetirizin (nach Frau M.'s Nepal
-Erlebnis, hab ich das vorsorglich eingepackt) und ein paar Halstabletten alle Segnungen der modernen Pharmazie im Hauptgepäck lagen/liegen, musste ich da durch. Die Busse in Südamerika sind alle
ähnlich. Es gibt cama (vergleichbar mit der Businessclass auf der Langstrecke im Flieger, der Sitz wird zum schmalen Bett oder semicama. Zweiteres bot dieser Bus, in mit Europa nicht
vergleichbarem Sitzabstand kann man sich ausstrecken und den sesselähnlichen Sitz weit nach hinten zurückstellen. Dass der Bus nur gut halb gefüllt war, war dem Komfort zuträgtlich. Zur Ablenkung
liefen zwei Filme, deren Inhalte ziemlich identisch war. Der Stereotyp ist schnell zusammengefasst: ein testosteronvoller muskelschwerer Weltverbesserer legt sich mit der Mafia an, verliert Sohn
und blonde vollbusige Frau in einem Gemetzel, das an Brutalität und Blut nicht geizt und rächt sich am Mafiaboss in einem Armageddon. Den beiden Stiften in der Reihe vor mir gefiel es, wieso hat
dieser Kontinent wohl bloß so viele Gewaltprobleme, fragt sich der Reisende. Nach dem kurvenreichen Aufstieg (Cuenca liegt auf 2.500 m), kam der Teil mit Wolken und Nebel. Einerseits war das gut,
denn man sah so den Abgrund nicht. Die Straßen waren von der Qualität teils nur knapp vor Kolumbien, aber keine Hangrutsche. Die beiden Fahrer hielt das nicht ab, Geschwindigkeitsrekorde
aufstellen zu wollen. Da kann man nicht weltverbessernd antreten wollen, das preist man in die Fahrt mit ein. Apropos: nach einem abrazon (dicke Umarmung) durch Franco, nahm ich die Straßenbahn
für 1$ zum Busbahnhof und zahlte 9,20$ für die Fahrt nach Guayaquil. Von der Verabschiedung bis zum Losfahren des Busses vergingen 27 Minuten, es lief wie am Schnürchen. Die Busfahrt kann man
ohne Proviant antreten, fahrende Händler steigen zu. Zunächst gab es Backwaren, als wir nach dem Nebelteil die Ebene erreichten, wurde das Angebot vielfältiger: Mangos (haben gerade Saison und
sind köstlich), Wassermelone und ich meine auch Arepas konnte man erwerben. Bei letzteren bin ich mir nicht sicher, denn entgegen allem Rat, musste ich meinen Sitzplaz verlassen weil ich müssen
musste. Vier Stunden Fahrt waren angesetzt, es wurde auf Grund einer Umleitung etwas mehr. Die Tipps, die man in Reiseblogs über Busfahrten liest und was man alles tun und vor allem nicht tun
soll, sind abenteuerlich. Sie sind bestimmt berechtigt. Ich nahm meinen Pass, den ich nie irgendwo lasse und folgte einem Ecuadorianer nach hinten. Der hatte schon dem Schaffner geläutet, dieser
muss das verschlossene Bus-Klo aufschließen. Als zweiter betrat ich den Raum am Ende des Busses, in dem bestimmt 33°C waren und in dem Mann gar nicht umfallen konnte, denn als der Schaffner
hinter einem die Tür schloss, konnte man sich gerade noch drehen. Das vorhandene Pissoir hätte ich allenfalls im Knien nutzen können, wozu der Platz nicht reichte, ich entschied ich für die
Toilette, die mein Vorgänger netterweise nicht zugeklappt hatte. Ich weiß, das ist jetzt wenig appetitlich in der Ausführlichkeit, aber ich will ja nur sagen, dass ich ein so sauberes Klo noch
nie vorgefunden habe. Die Schweine halten sich wohl zurück, denn wenn nach dem Verlassen der Schaffner den Check macht, überlegt man und frau es sich wohl zweimal, ob er/sie danebenpullert. Die
fruchtbaren Ebenen sind mit Papayas, Bananen und Palmen so weit das Auge reicht, bestanden. Über Stunden ging es durch diese Kulturlandschaft. Wir kamen also irgendwann in Guayaquil an und das
Busterminal ist wirklich riesig. Das Geheimnis ist, vorbereitet zu sein. Die Ausgänge sind wie an jedem fremden / neuen Flughafen super beschriftet, an Ausgang 1 und 3 gibt es sichere Taxis. Ich
hielt auf Ausgang 1 zu, 2 Mädels Anfang 20 saßen im Kiosk und ich nannte nur den Namen des Hotels, schon wurde mir flott und freundlich der Preis von 7$ genannt und eine der beiden Damen führte
mich zu einem Taxifahrer. Kommen wir ein zweites Mal zum gleichen Tier: ser un viejo verde bedeutet im Spanischen: Lüstling, Schwein. Der Taxifahrer mit einem BMI weit über 35 blieb mir durch
verschiedene Dinge in Erinnnerung: erstens prieß er die Vorzüge der Frauen an jeder Ampel: die eine hatte besonders schöne Brüste, die andere trug tolle Schuhe. Er interessierte sich zweitens für
schnelle und teure Autos und fragte drittens wirklich komische Sachen. Ob ich Spanisch auch schreiben könnte oder nur sprechen? Das musste er mich dreimal fragen, sein ausgesprocher ausgeprägter
Akzent - das Küstenspanisch ist von der Karibik bis runter nach Chile extrem dialektisch, wobei er deutlich besser zu verstehen war als die Costeños in Kolumbien - und der Inhalt der Frage, den
ich einfach nicht verstehen wollte, machten es nötig. Ich saß übrigens selbstverständlich hinten und mein Koffer war auch nicht im Kofferraum, weitere Indizien für die touristische Qualität von
Guayaquil. Das Hotel, das ich schon vor Monaten gebucht habe, zeichnet sich vor allem durch die Lage aus. Ich wollte einen Standort mitten in der Stadt. Es passt so gar nicht in meine sonstige
Auswahl. Ein riesiger Schuppen mit allen touristischen Segnungen und Myriaden von US-Touristen. Alle nett aber eben laut und etwas drüber, wie man sie kennt. Mich faziniert jedes Mal, wie
Menschen, deren Muttersprache Englisch ist, mit Engelsgeduld wieder und wieder auf Menschen einreden, die sie offensichtlich nicht versehen. Die Vorstellung, dass jemand nicht Englisch sprechen
könnte, ist denen fremd. Als Gary (Engländer) in Marrakesch Pizza bestellte, ließ er auch drei Angestellte ans Telefon kommen, und machte sich keinesfalls die Mühe, auf Französisch zu bestellen.
So lief es hier ebenso am Frühstücksbuffet. Sonst fällt das Hotel dadurch auf, dass ich mittlerweile nach 1.5 Tagen dreimal an der Rezeption war, um mir die Zimmerkarte neu codieren zu lassen,
weil das System sie nicht erkannt hat. Beim ersten Mal Fehlfunktion half mir ein netter Angestellter, nachdem ich dann zwei Karten bekam, um auf Nummer sicher zu gehen, versagten beide am zweiten
Tag. Man kennt mich nun. Die nette Dame, die mich am ersten Tag fragte, aus welchem Teil ich käme (sie hatte meinen Pass in der Hand, ich meinte, dass ich die Frage nicht verstehe, sie wechselte
ins Englische, ich blieb beharrlich bei Spanisch um schließlich zu erfahren, dass sie wissen wollte, aus welchem Land ich komme: Deutschland, wie im Pass ersichtlich, den du gerade in der Hand
hast!), ist sehr versiert im Umgang mit diesem Problem und wir unterhalten uns fortan in Spanisch. Der Kollege neben ihr, der jedes Mal der gleiche ist, mich aber bis dato nie bedient hat, sprach
mich heute morgen auf Deutsch an, wo ich den so gut Spanisch gelernt hätte. Die Madridstory folgte und die Gegenfrage, woher er Deutsch kann: mittlere Reife in Hannover. Die erste deutsche
Konversation nach zwei Wochen. Der erste halbe Tag bestand also noch aus einer Besichtigung von Guayaquil. Gleich neben dem Hotelpool liegt die Kathedral von Guayaquil, darauf folgt der zentrale
Park Seminario, den alle nur Iguana nennen. Iguanas sind Chamäleons, aber die großen, nicht so ein kleines Vieh wie in der Kallweitschen Hütte auf Kuba. Die Tiere sind zutraulich, werden
gefüttert und ergänzen die zahlreichen Tauben, die sich ebenfalls auf Grund der Zufütterung pudelwohl im Park zu fühlen scheinen. Das war also alles nur ein Katzensprung, etwas mehr konnte ich
mir schon die Beine am Malecon vertreten. Strandpromenade trifft es gut, hinter einem Zaum, gut besucht, super sicher aus meiner Sicht. Und noch relativ neu. Kein Pazifikstrand, man ist am Fluss,
der in wenigen Kilometern in den Pazifik mündet. Auf der anderen Flussseite sieht man Duran, das berüchtigte Drogenviertel und wohl aktuell eine der unsichersten Gegenden des ganzen Kontinents.
Kolumbien hat sich in den letzten Jahren ja vom Moloch zum gut bereisbaren Land entwickelt, Ecuador nimmt gerade die andere Richtung. Nach Jahren einer linken Regierung, hat aktuell eine
politische Rechte das Sagen. Oder wie ich zu Maria in Quito meinte: wo ist die politische Mitte? Es gab nur ein Ziel, das ich mir am ersten Guayaquil-Tag gesetzt hatte: La Pata Gorda (Die dicke
Pfote, das dicke Tischbein, im Kontekt besser Die Dicke Krabbenschere genannt). Ein auf Seafood spezialisiertes Restaurant, in dem ich kreolischen Reis mit Bananen, Krabbenfleich, Shrimps
verschiedenen Saucen und einem Berg von Knoblauch nahm, der einen gewissen Frank aus diesem Restaurant getrieben hätte. Die Knoblauchmassen waren nicht vorhersehbar und nicht deklariert!
Tag 2 dann für Sightseeing. Am Malecon entlang erreicht man den Aufstieg nach Santa Ana, Kirchlein mit benachbartem Leuchtturm. 444 Stufen ging es bis zum Leuchtturm hoch, von dem man eine
fantastische Rundumsicht über Guayaquil hat. Ich half dort einem lateinamerikanisch anmutenden Pärchen, das definitv nicht spanisch-sprachig war und einem jungen Mann mit breitem englischen
Akzent (Boston?) aus und machte Fotos. Man bot mir im Gegenzug an, auch Fotos von mir zu machen, aber ich habe doch das royale Winken. Nein danke, und mein Handy gebe ich auch sehr ungern
aus der Hand, in Guayaquil gleich doppelt ungern. Die ehemals runtergekommenen und gefährlichen Viertel sind wohltuend restauriert worden, ziemlich hipp und sehr sicher. Auf dem Steig, der der
Chora in Naxos ähnlich war, war hinter jeder Biegung privates Sicherheitspersonal. Einerseits beruhigend, andererseits werden die wohl nicht ohne Grund dort rumstehen. Den Abschluss ein kleines
Highlight: das nationale Kakaomuseum, das entgegen den Informationen im Reiseführer für mich kostenlos war. Wie überall in Ecuador musste ich nur meine Handynummer (alternativ geht auch die
Passnummer) in eine Tabelle zusammen mit meinem Namen eintragen. Bin gespannt, wieviel Spam-Anrufe ich demnächst bekomme. Die Geschichte des Kakaos wird dargestellt und richtig gut, es gibt dort
auch Audioguides für schmale 2.50€, auch auf Deutsch. Das Viertel nahe am Doubletree Hotel ist zauberhaft und kolonial erhalten geblieben. Kleine Cafés findet man dort, baumbestandene Alleen im
Stil von Buenos Aires (mit leider weniger blühenden Jacaranda-Bäumen). Es war wirklich zauberhaft und ein schöner Abschluss dieser Reise.
Zusammenfassung:
Würde ich es wieder tun? Ja! Allein? Ja! Mit Begleitung: Ja! Wie habe ich überlebt? Späteste Heimkehr 22 Uhr, keine Partys, Clubs, etc. Ausschließlich uber und
sichere Taxis. Inhabergeführte Hotels und viel reden, In Quito und Cuenca wäre Englisch möglich gewesen, sonst nur Spanisch. Immer Internet, um Dinge recherchiere zu können. Um nicht in drei
Ländern dreimal eine eSIM kaufen zu müssen, hab ich von Airalo die LATAM-Card vorab gekauft. Das funktionierte super. Der Rückflug wartet. Iberia teilte mir mit, dass sie den Flug nicht
selbst durchführt, sondern von Privilege Style, einer mallorquinischen Chartergesellschaft bereedern lässt. Der eingesetzte Airbus kommt aus Beständen von Virgin Australia, ist gut gewartet und
bietet ein vergleichbares Bordprodukt zum Iberiabomber. Warten wir mal ab, wie es wird.